Frankreich setzt polizeiliche Blendgranaten aus, da Festnahmen bei Studentenprotesten auf 6547 steigen
Der Innenminister stoppte den polizeilichen Einsatz von Blendgranaten bei Protesten, nachdem ein Teenager in Lens schwer verletzt worden war, während die Gesamtzahl der Festnahmen seit September 6547 erreichte.
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Frankreich setzt den polizeilichen Einsatz von Blendgranaten bei Protesten aus, nachdem ein Jugendlicher in Lens eine Handverletzung erlitten hat.
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Der französische Innenminister Laurent Nuñez sagte, die Polizei werde bei Studentenprotesten vorerst keine Blendgranaten mehr einsetzen, nachdem am Montag in Lens einem 15-jährigen Demonstranten durch eines der Geräte eine Hand abgerissen worden war. „Solange es keine Klarheit darüber gibt, was dort passiert ist“, könne die Polizei die Granaten bei den Demonstrationen nicht verwenden, sagte er am Mittwoch dem Sender RTL.
Die Polizeibeschwerdestelle IGPN führt nun 18 Untersuchungen zu Vorfällen im Zusammenhang mit Beamten während der Unruhen durch, so Nuñez, nach zehn am Vortag gemeldeten.
Französische Behörden haben seit Beginn der landesweiten Proteste am 28. September 6547 Menschen festgenommen, gegenüber 5060 am Vortag, teilte das Innenministerium mit. Davon wurden allein am Dienstag 488 festgenommen. Insgesamt müssen sich 1802 Personen wegen Verfahren verantworten, und 14 befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft, teilte das Justizministerium mit.
Die Demonstrationen am Dienstag zogen am vierten Tag in Folge große Menschenmengen in ganz Frankreich an; die Organisatoren bezifferten die landesweite Beteiligung auf 450 000, darunter 100 000 in Paris. Das Innenministerium nannte mit 256 000 landesweit und 56 000 in der Hauptstadt eine niedrigere Zahl.
Allein am Dienstag wurden weitere 43 Polizeibeamte und Gendarmeriekräfte verletzt. In Paris wurden an jenem Nachmittag 32 Menschen festgenommen und 14 verletzt, darunter ein Polizist, der von einem Pflasterstein am Hals getroffen wurde, und ein Demonstrant, der beim Sturz von einer Statue auf der Place de la République schwer verletzt wurde. Seit Beginn der Unruhen wurden nach Angaben von Beamten 715 Polizeibeamte und Gendarmeriekräfte, 215 Schüler und 85 Lehrkräfte verletzt sowie mindestens 24 Schulen beschädigt, geplündert oder in Brand gesteckt.
Die Proteste haben sich über Frankreich hinaus ausgebreitet. Die Polizei in der belgischen Stadt Lüttich hat seit Beginn ähnlicher Studentenproteste dort Anfang Oktober 107 Menschen festgenommen, davon 80 aus administrativen und 27 aus judikativen Gründen, teilte die örtliche Polizei mit.
Die iranische Regierung hat den französischen Botschafter in Teheran einbestellt, um eine Erklärung für das Vorgehen der Polizei bei den Protesten zu fordern, und wirft Paris Menschenrechtsverletzungen vor. Die französische Liga für Menschenrechte hat erklärt, der Einsatz von Polizeigewalt gegen Minderjährige habe eine „kritische Grenze“ überschritten, Amnesty International hat die Behörden aufgefordert, das Recht auf friedlichen Protest zu wahren, und Präsident Emmanuel Macron hat wegen der Unruhen ein Treffen mit der Regierung einberufen.
Was wir wissen
- Innenminister Laurent Nuñez hat den polizeilichen Einsatz von Blendgranaten bei den Protesten ausgesetzt, nachdem in Lens einem 15-Jährigen von einer solchen Granate die Hand abgerissen worden war.
- Die IGPN untersucht nun 18 Vorfälle im Zusammenhang mit dem Verhalten der Polizei während der Unruhen, gegenüber zuvor zehn.
- Seit dem 28. September wurden 6.547 Menschen festgenommen, darunter allein 488 am Dienstag.
- Organisatoren geben an, dass sich am Dienstag bundesweit 450.000 Menschen den Protesten angeschlossen haben; das Innenministerium spricht von 256.000.
- Seit Beginn der Unruhen wurden 715 Polizisten und Gendarmen, 215 Schüler und 85 Beschäftigte verletzt.
- Die Proteste haben sich auf Belgien ausgeweitet, wo in Lüttich seit Anfang Oktober 107 Menschen festgenommen wurden.
Warum das für Europa wichtig ist
Die Aussetzung von Blendgranaten ist die erste direkte politische Änderung der französischen Regierung als Reaktion auf die Unruhen, nachdem Minister das Vorgehen der Polizei wochenlang weitgehend als verhältnismäßig verteidigt hatten. Das Ausmaß der Festnahmen und Verletzungen, die nach mehr als einer Woche Protest inzwischen in die Tausende gehen, sowie die Beteiligung von Menschenrechtsgruppen, der Polizeiaufsicht und nun auch einer ausländischen Regierung markieren den Wandel von einem Schulkonflikt zu einer breiteren Frage über den Polizeieinsatz bei Protesten mit einer großen Anzahl von Minderjährigen.
Die Proteste hatten Mitte September in der Region Paris wegen überfüllter Klassenzimmer, Lehrermangels und schlechter schulischer Infrastruktur begonnen und sich seitdem landesweit und nach Belgien ausgebreitet. Schülergruppen fordern zudem Änderungen am Universitätszulassungssystem Parcoursup und erklären, dass dieses einen unfairen Druck auf Schüler ausübe.
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Frankreich setzt den polizeilichen Einsatz von Blendgranaten bei Protesten aus, nachdem ein Jugendlicher in Lens eine Handverletzung erlitten hat.
Die Gesamtzahl der Festnahmen seit dem 28. September steigt nach Angaben des Innenministeriums von 5.060 auf 6.547.
Das französische Justizministerium teilt mit, dass seit Beginn der Proteste 5.060 Menschen festgenommen wurden, 87 Prozent davon Minderjährige.
Erstveröffentlichung.
Quellen
- in.gr: «Βράζει» η Γαλλία εν μέσω μαζικών διαδηλώσεων: 5.000 συλλήψεις και εκατοντάδες τραυματίες – Στους δρόμους και σήμερα χιλιάδες νέοι
- Correio da Manhã: Protestos de alunos em Frana obrigam a novo encerramento de escolas. Adultos juntam-se aos manifestantes
- Gazeta Wyborcza: Francja: Trwają oglnokrajowe protesty uczniw. Zamieszki w Lyonie, Strasburgu i Rennes
- TGCom24: Francia, terzo giorno di proteste studentesche: disordini a Rennes | I sindacati: "Siamo 260mila" | Lezioni sospese nei licei fino a fine settimana
- Correio da Manhã: Mais de seis mil detenes nos protestos de alunos em Frana. Macron convoca reunio com o governo
Fragen und Antworten
- Warum hat Frankreich Blendgranaten bei Protesten ausgesetzt?
- Innenminister Laurent Nuñez stoppte deren Einsatz, nachdem einem 15-jährigen Demonstranten in Lens eine Hand abgerissen worden war, bis die Vorkommnisse geklärt sind.
- Wie viele Menschen wurden bei den Protesten in Frankreich festgenommen?
- Seit dem 28. September wurden nach Angaben des Innenministeriums 6.547 Menschen festgenommen, darunter 488 am Dienstag.
- Haben sich die Unruhen über Frankreich hinaus ausgebreitet?
- Ja. Auch in Belgien hat es Schülerproteste gegeben, wobei in Lüttich seit Anfang Oktober 107 Menschen festgenommen wurden.
